Offenbach hat eine Freie Wählergemeinschaft, die politischen Karten werden neu gemischt (Lothar R. Braun). So lautete ein Kommentar der lokalen Presse, als im Oktober 1988 hier in Offenbach die Freie Wählergemeinschaft (FWG) in´s Leben gerufen wurde. Die Gründung der Freien Wählergemeinschaft war von dem Wunsch ihrer Mitglieder geprägt, die Aktionsunfähigkeit der etablierten Parteien zu überwinden. Die Parteien ihrerseits reagierten auf die Gründung der FWG zunächst gelassen. War es doch fraglich, ob sich trotz aller Aufbruchstimmung innerhalb der FWG diese neue politische Kraft im Machtgefüge der Parteien würde behaupten können.
Wie es sich gezeigt hat, konnte sich die FWG als überparteiliche Kraft im Machtgefüge der Offenbacher Parteipolitik behaupten. Die politischen Karten in Offenbach wurden tatsächlich neu gemischt. Bis heute spielt die FWG im politischen Geschäft eine ebenso bedeutende Rolle wie die Parteien. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als die Freien Wähler Offenbach die einzigen in Hessen sind, die in einer kreisfreien Stadt an der politischen Willensbildung mitwirken.
Die Freie Wählergemeinschaft Offenbach (FWG) leistet überparteiliche, von parteipolitischen und weltanschaulichen Ideologien freie und sachbezogene Arbeit. Sie fühlt sich nur den Bürgerinnen und Bürgern von Offenbach verpflichtet. Die FWG versteht sich als gesellschaftliche Gruppe von parteiungebundenen Bürgern, die auf kommunaler Ebene an der politischen Willensbildung mitwirken.
Die FWG ist keine Partei und hat keine Pateiideologie. Die Parteienverdrossenheit in der Bevölkerung, die durch bürgerferne, nicht-transparente, oft nur am Machterhalt orientierte Politik der etablierten Parteien verursacht und verschuldet ist, gefährdet das demokratische Grundverständnis der Bürgerinnen und Bürger.
Die Freien Wähler bekennen sich zur parlamentarischen Demokratie als der bestmöglichen Staatsform. Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Bundeslandes Hessen. Die Freien Wähler wenden sich gegen jede Bestrebung, die die demokratische Mitwirkung der Bürger am politischen Willensbildungsprozeß einengt. Gerade auf kommunaler Ebene kann durch die Beteiligung der Bürger am politischen Entscheidungsprozeß eine Erneuerung des Demokratieverständnisses - auch bei der jungen Generation - erreicht werden.
Seit ihrer Gründung wirkt die FWG in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung mit und nimmt Einfluß auf die politische Entwicklung in Offenbach, zweimal - 1989/1990 und seit 1997 - in einer Koalition. Resultierend aus dem Selbstverständnis der Freien Wähler als bürgernaher Kraft ist der Dienst am Bürger Mittelpunkt des kommunalpolitischen Handelns der FWG. Unverzichtbare Grundlage für eine am Bürger orientierte Politik bildet eine solide Finanzgrundlage. Diese Überlegungen mündeten schließlich in eine erste Zusammenarbeit mit der SPD. Denn die Realisierung einer soliden Finanzpolitik war am besten mit der Unterstützung Gerhard Grandkes gewährleistet. Als bleibendes Ergebnis dieser 1. Koalition mit der SPD 1989/1990 ist festzuhalten, daß die Freien Wähler das Offenbacher Modell zur Sanierung des Haushaltes mit auf den Weg gebracht haben. Danach folgten, von 1991 bis 1997, sechs Jahre Opposition während der Großen Koalition aus SPD und CDU.
Seit der Kommunalwahl 2001 stellt die FWG zwei Stadtverordnete. In der Legislaturperiode 2001-2006 konnte die Koalition mit SPD und Grünen erfolgreich fortgesetzt werden. Die Freien Wähler haben sich vor allem im Bereich Wirtschaftsförderung und kreatives Potential stark gemacht. So konnte auf Initiative der Freien Wähler eine großangelegte Studie der Universität Trier zur Kreativwirtschaft in Offenbach realisiert werden. Die Ergebnisse diese Studie sind heute Grundlage für verschiedene Projekte zur Unterstützung von Existenzgründungen für junge Kreative.
Nach der Kommunalwahl 2006 fanden Koalitionsgespräche der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) mit SPD, Grünen und FDP statt. Auf inhaltlicher Ebene konnte Einigung erzielt werden. Am Ende scheiterten die Verhandlungen daran, dass die FDP auf die Einrichtung eines 4. hauptamtlichen Magistratsmitglieds bestand, die mit ihrem Parteivorsitzenden und Fraktionsgeschäftsführer Paul-Gerhard Weiß schließlich besetzt wurde. Die FWG wollte diesen Schritt nicht mitgehen, da sie sich schon immer für strenge Haushaltsdisziplin stark gemacht hatte. Einen zusätzlichen hauptamtlichen Magistrat einzusetzen, wurde einstimmig von der Mitgliederversammlung abgelehnt.
Ende 2009 nannte sich der Verein in Freie Wähler - FW um. Damit stimmten die Freien Wähler (FW) einem einheitlichen Erscheinungsbild auf Landesebene, bei gleichzeitiger Unabhängigkeit zu.